2009-08-26 Afrika: Größte atomwaffenfreie Zone
Uranabbau und Dumping geht weiter
Von Fareed Mahdy
Kairo. Afrika ist seit kurzem offiziell die größte atomwaffenfreie Zone der Welt mit 53 Staaten und einer runden Milliarde Einwohner. Der jetzt in Kraft getretene Pelindaba-Vertrag, benannt nach einem Nuklearforschungszentrum westlich der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, hat den Status der Atomwaffenfreiheit auf die gesamte südliche Hemisphäre ausgedehnt. Viele Probleme aber bleiben dem schwarzen Kontinent – so etwa der Uranabbau durch westliche und chinesische Konzerne und eine Vielzahl von Atommülllagerstätten.
Der Vertrag liegt im Entwurf seit Juni 1995 vor und wurde am 11. April 1996 im ägyptischen Kairo zur Unterschrift freigegeben. Algerien und Burkina Faso waren 1998 die ersten Staaten, die das Abkommen ratifizierten, der letzte und 28. war Burundi. Mit seiner Ratifizierung am 15. Juli trat der Pelindaba-Vertrag in Kraft. Eine entsprechende Mitteilung gaben die Afrikanische Union (AU) und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Mitte August heraus.
Das Abkommen, das bereits seit 1964 im Rahmen der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), dem AU-Vorgänger, diskutiert wurde, entspricht ähnlichen Vereinbarungen zwischen anderen Ländern des Süden – dem Abkommen von Tlatelolco für den amerikanischen Süden, dem Rarotonga-Vertrag für den Südpazifik, dem Abkommen von Bangkok für Südostasien, dem Antarktisabkommen und einem weiteren jüngeren Vertag für Zentralasien, der seit dem 21. März Geltung hat und die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan umfasst.
IAEA-Generaldirektor Mohammed El-Baradei begrüßte die neue atomwaffenfreie Zone und nannte sie und ihre Vorläufer "wichtige regionale Maßnahmen zur Vertrauensbildung und Schaffung von Sicherheit", ebenso einen "bedeutenden Beitrag für die Bemühungen um eine Welt ohne Atomwaffen".
Die Abkommen folgen in vielen Punkten dem Atomwaffensperrvertrag und verlangen große Sicherheitsvorkehrungen und höchste Standards zum Schutz von Nuklearmaterial und -einrichtungen vor Diebstahl, nicht-autorisierter Nutzung und bewaffneten Angriffen. Festgehalten ist allerdings auch das Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomkraft und -forschung.
Atomwaffenfrei aber radioaktiv belastet
In Afrika liegen einige der ertragreichsten Uranminen der Welt. Sie sind wichtige Lieferanten für den Westen. So etwa bezieht Frankreich das Uran für seine 58 Kernkraftwerke ausschließlich aus Niger. Weitere Uranproduzenten auf dem schwarzen Kontinent sind Algerien, Botswana, die Demokratische Republik Kongo (DRC), Gabun, Gambia, Guinea, Malawi, Mali, Marokko, Namibia, Sambia, Tansania und die Zentralafrikanische Republik.
Zusammen mit Südostasien gilt Afrika zudem als größter Dumpingplatz nicht nur für Giftmüll, sondern auch für radioaktiven Abfall. Vor allem Somalia soll als Atommülldeponie missbraucht werden.
Auch die fünf zentralasiatischen Staaten, die seit März offiziell atomwaffenfrei sind, sind keineswegs unbelastet. Sie leiden massiv unter den Hinterlassenschaften der früheren sowjetischen Produktion von Atomwaffen und deren Tests. (afrika.info/IPS)
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