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2010-05-14
D. R. Kongo: Chinas Marschall-Plan
Investitionen von Ärgernissen begleitet

Von Antoaneta Becker

London. Chinas gigantische Investitionsvorhaben in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) stehen unter einem schlechten Stern. Korruptionsvorwürfe, ein Gerichtsverfahren und kritische Stimmen aus dem Westen begleiten den Deal, den China als Gewinn für beide Seiten bewirbt. Die Volksrepublik vermutet nun, dass die westlichen Staaten die asiatische Wirtschaftsmacht als unliebsamen Konkurrenten um die Bodenschätze auf dem afrikanischen Kontinent sehen und deshalb vertreiben wollen.

"Es ist offensichtlich, dass der Westen Chinas steigenden Einfluss in Afrika verhindern will", sagte Duan Hongwu, ein Wirtschaftsbeobachter aus Peking. "Der Deal mit dem Kongo hilft beiden Staaten. Der Kongo kann seine natürlichen Ressourcen zu Geld machen, China wird seine überschüssigen Devisen los."

2008 einigten sich Vertreter beider Staaten in Kongos Hauptstadt Kinshasa auf einen Neun-Millionen-Dollar-Kredit, den China der DRC zu günstigen Konditionen anbot. Im Gegenzug erhält China Lizenzen für den Abbau von 10,6 Millionen Tonnen Kupfererz und rund 627.000 Tonnen Kobalt in den kommenden 25 Jahren. Außerdem ist der Neubau von 4.000 Kilometern Straße sowie rund 3.200 Eisenbahnkilometern geplant. Darüber hinaus geht es um neue Krankenhäuser und Schulen.

Das Abkommen hat China zu einem der einflussreichsten Akteure auf dem afrikanischen Kontinent gemacht. In der Demokratischen Republik Kongo, einem der größten und bevölkerungsreichsten Staaten Afrikas, ist China jetzt größter ausländischer Investor.

Marschall-Plan für den Kongo

Die kongolesische Regierung bezeichnet das chinesisch-kongolesische Joint-Venture mit Namen 'Sicomines' als Kongos Marschall-Plan. Seit seiner Unterzeichnung schlittert das Vorhaben allerdings von einem Problem zum nächsten.

Im August vergangenen Jahres drohte der Internationale Währungsfonds (IWF) dem Kongo mit der Einstellung eines Dreijahresprogramms zur Armutsbekämpfung und Entwicklungsförderung, falls sich spätere kongolesische Regierungen durch den Vertrag gegenüber Peking verschulden würden. Der Kongo gab nach, woraufhin das Abkommen mit China neu verhandelt und zum Jahresausklang auf sechs Milliarden Dollar hinabgesetzt wurde.

Wirtschaftsbeobachter Duan vermutet hinter der Aktion des IWF eine Intervention der USA, die einen Rückgang chinesischer Staatsanleihen fürchteten. Tatsächlich hatte die Volksrepublik vor einigen Monaten US-Staatsanleihen im großen Stil veräußert, während Gerüchte über eine Diversifizierung des chinesischen Portfolios die Runde machten.

Im Februar hinderte ein chinesisches Gericht das Eisenbahnunternehmen 'China Railway' daran, seinen Teil des Deals mit dem Kongo einzugehen. Ein Hedgefonds, der Altschulden der ehemaligen kongolesischen Regierung unter Präsident Mobuto Sese Seko aufgekauft hatte, erwirkte vor einem Gericht in Hongkong, dass die Gelder für den Marktzugang von China Railway für die Abzahlung der Schulden genutzt werden müssen.

Millionen verschwunden

Schließlich ist das bilaterale Unternehmen in der DRC selbst Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchungskommission. China hätte im Rahmen des Deals 23 Millionen Dollar an das kongolesische Minenunternehmen 'Gecamines' zahlen sollen. Das Geld ist allerdings verschwunden. Kritiker sprechen nun von unzureichender Transparenz der chinesischen Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent.

Darüber hinaus wird China vorgeworfen, sich wie eine neue Kolonialmacht zu verhalten. Die asiatische Großmacht sei einzig daran interessiert, sich kostengünstig Rohstoffe für seine schnell wachsende Wirtschaft zu sichern. Um die Entwicklung des Staates Kongo interessiere sich China hingegen nicht.

Für chinesische Beobachter zeigt dieser Vorwurf, der vor allem im Westen erhoben wird, dass in vielen Köpfen noch immer der Geist des Kalten Kriegs herrscht. "Kaufen wir etwa billig ein und verkaufen zu überzogenen Preisen?" fragt Shen Jiru, Experte für Internationale Beziehungen an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS). "Im Gegenteil. Wir bieten zinslose Darlehen und helfen Afrika, sich ökonomisch zu entwickeln."

Im vergangenen Jahr kündigte China an, Afrika in den kommenden drei Jahren mit einem weiteren Kredit von zehn Milliarden Dollar zu unterstützen. Auf dem 'World Economic Forum on Africa' in der ersten Maihälfte erklärte Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi, die Interessen Afrikas deckten sich mit denen Chinas. Der asiatische Staat helfe den afrikanischen Ländern, von Rohstoffexporteuren zu Industrieländern aufzusteigen. (afrika.info/IPS)

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