2010-07-28 Côte d'Ivoire: Ex-Rebellen warten auf Geld
Im Norden stockt die Demobilisierung
Von Aly Ouattara
Korhogo. In Côte d'Ivoire ist es auch drei Jahre nach Bürgerkriegsende 2007 um die politische, militärische und soziale Stabilität schlecht bestellt. Längst angekündigte Wahlen werden immer wieder verschoben, und das jüngste, erst vor wenigen Wochen im Norden begonnene Demobilisierungsprogramm für ehemalige Kämpfer der Rebellenbewegung 'Forces nouvelles' (FN) ist wegen finanzieller Probleme ins Stocken geraten.
Entwaffnung, Wiederaufnahme der Ex-Rebellen im Norden in die reguläre Armee oder deren Rückkehr ins zivile Leben sind die Kernpunkte der seit 2008 betriebenen Demobilisierung. Im nördlichen Korhogo, der Hochburg der FN, wurden unter Aufsicht der UN-Mission (UNOCI) 1.200 ehemalige Kämpfer in die Kasernen der regulären Armee geschickt. Doch diejenigen ehemaligen Kämpfer, die das Kriegsgeschäft aufgeben wollen, werfen der Regierung vor, das ihnen versprochene Startgeld zum Aufbau einer zivilen Existenz nicht auszuzahlen. Von einer "Demobilisierung auf Kredit" wollen sie nichts wissen.
"Bevor ich mein Demobilisierungsgeld nicht bekomme, behalte ich meine Uniform an", erklärte Yessoulpa Konaté. IPS traf den aufgebrachten 40-Jährigen in Korhogo an der westlichen Ausfahrt nach Boundiali im Norden. Er kassierte von de Benutzern dieses so genannten Korridors eine Maut. "Ich muss schließlich eine Familie ernähren", meinte der ehemalige Kämpfer.
Auch der etwa 30-Jährige Ziégnongo Soro lässt sich für das Ausstellen von Passierscheinen bezahlen. In Uniformhose und dem gelben T-Shirt des nationalen Reintegrationsprogramms kontrolliert er den Korridor von Ferkessedougou im äußersten Norden. Auch er ist bereit, ins zivile Leben zurückkehren, sofern er dabei materiell und finanziell unterstützt wird. "Das Kontrollieren eines Korridors ist keine Dauerlösung", stellte er fest.
Auch bei der Reintegration in die Armee gibt es Probleme. Der Ex-Rebell Arouna Bakayoko, der freiwillig in die Kaserne zurückgekehrt ist, berichtete, etliche seiner Kameraden hätten das zehn Kilometer von Korhogo entfernte Militärlager von Kagnasso schon wieder verlassen, weil man ihnen keinen Sold und nicht einmal eine Beihilfe gezahlt habe.
Ein auf Anonymität bestehender Angehöriger der Ausbildungsgruppe Nr. 4, die für den gesamten Norden zuständig ist, kritisierte die Wiedereingliederung ehemaliger Rebelle in die Armee als überstürzt. "Noch fehlen die dazu erforderlichen Bedingungen, und das liegt am Geldmangel", stellte er fest. "Ich weiß nicht warum man in Côte d'Ivoire nicht mit der Wahrheit herausrückt."
In den Kasernen ist zu wenig Platz für Ex-Rebellen
"Für die kürzlich in Korhogo kasernierten ehemaligen Kämpfer gibt es nicht einmal Schlafsäle. Sie müssen bei ihren alten Einheiten unterkommen", berichtete er.
Klagen gibt es auch bei der Polizei. Vassiriki Kéita ist Polizeikommissar im Dienst der FN im integrierten Kommandozentrum in Korhogo. Hier arbeiten Vertreter der Polizei, der Armee, der FN und Sicherheitsbeamte zusammen. Kéita bemängelt: "Wir sind noch nicht einmal in den Korridoren präsent. Die sind allein den Militärs vorbehalten. Auch für die Sicherheit in der Stadt können wir nicht selbständig sorgen, weil diese Posten immer noch von Ex-Rebellen besetzt sind."
Ähnlich geht es den Zollbeamten. Das einzige im Norden für die Korridore und die Grenzkontrollen zuständige Zollamt hat seine Büros in Korhogo. Es habe während des Bürgerkriegs den Fahrzeugverkehr kontrolliert, berichtete Amtsleiter Raymond N'da Koua. Jetzt würden die Arbeit des Zolls und dessen Einnahmen für die Staatskasse durch die Präsenz der Ex-Milizen auf den Korridoren erheblich eingeschränkt.
Nach Angaben der ivorischen Behörden soll die am 15. Juni in Korhogo begonnene Rückführung von ehemaligen Rebellen in die Nationalarmee im Zentrum des Nordens sowie im Mittelwesten und Westen in den Städten Bouaké, Séguéla und Man fortgesetzt werden. Ohne die dazu benötigten materiellen und finanziellen Ressourcen wird dies jedoch kaum planmäßig durchführbar sein.
Milizen auch im Süden demobilisieren
Er glaube nicht, dass die Behörden die Demobilisierung wirklich ernsthaft betreiben, meinte Barthélemy Coulibaly von der zivilen Menschenrechtsorganisation 'Ditiaba' ('Kampf der Unwissenheit'). "Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Wahlen stattfinden, solange man mit der Demobilisierung beschäftigt ist." Zudem müssten nach der Demobilisierung der FN-Rebellen dieselben Bedingungen auch die Milizen im Süden gelten, und dazu werde noch mehr Geld benötigt, meinte der skeptische Aktivist.
Die fehlende Finanzierung des Demobilisierungsprozesses beklagt auch General Soumaïla Bakayoko, Oberbefehlshaben der Forces nouvelles. "Geldmangel könnte den gesamten Prozess belasten, warnte er am 15. Juni."Die von uns verlangte Aufrichtigkeit und Transparenz zwingt mich, Ihnen zu sagen, dass uns bis zu dieser Stunde keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden", räumte er ein. "Die Kosten des Programms belaufen sich auf umgerechnet rund acht Millionen US-Dollar, von denen das Verteidigungsministerium erst eine Million Dollar freigegeben hat", fügte der General hinzu.
Auf Befragen von Journalisten bedauerte General Philippe Mangou, Oberbefehlshaber der ivorischen Armee, dass die staatlichen Kassen nicht rechtzeitig vor Beginn der Demobilisierung wiedervereinigt wurden. So etwa würden die Steuern, die die Ex-Rebellen in den von ihnen kontrollierten Gebieten eintreiben, nicht an die Staatskasse weitergeleitet.
Auch organisatorisch macht die militärische Wiedereingliederung der 5.000 FN-Kämpfer, darunter zwei Generäle, Schwierigkeiten. Es gebe Unterschiede bei der Einordnung der Dienstgrade, und die dazu erarbeiteten Entwürfe ließen sich nicht umsetzen, berichtete ein Offizier, der anonym bleiben wollte. (afrika.info/IPS)
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