2010-07-30 Nigeria: China investiert in Raffinerien
Privat-öffentliche Partnerschaft geplant
Von Toluwa Olusegun
Lagos. Nigeria ist dafür berüchtigt, längst nicht alle groß angekündigten Geschäfte in die Tat umzusetzen. Mit chinesischer Hilfe will der afrikanische Staat nun drei Erdölraffinerien bauen. Damit könnte Nigeria seine Treib- und Brennstoffimporte reduzieren. Das Land ist zwar reich an Öl, kann die Ressource bisher aber nur in geringem Umfang selbst verarbeiten.
Die im Mai geschlossene Vereinbarung sieht den Bau von drei Anlagen zu Kosten von insgesamt 25 Milliarden Dollar vor. 80 Prozent davon soll ein chinesisches Konsortium tragen, den Rest die 'Nigerian National Petroleum Corporation' (NNPC).
Deborah Brautigam, eine Expertin für Entwicklungszusammenarbeit von der American University in Washington, hat allerdings Zweifel, dass das Projekt in vollem Umfang realisiert werden kann. "Es braucht eine sehr mutige chinesische Bank, die ein Projekt von etwa 20 Milliarden Dollar in Nigeria finanzieren will. Nigeria ist zwar politisch stabiler als die Demokratische Republik Kongo, wo China bereits hohe Investitionen getätigt hat. Die Projekte dort sind aber auch wesentlich kleiner."
Natürlich brauche Nigeria die Anlagen, allerdings seien die politischen Hürden hoch, gab die Wissenschaftlerin zu bedenken. "Ein paar Leute ganz oben kontrollieren die Importe von Ölprodukten, und das wollen sie nicht aus der Hand geben", sagte Brautigam. Zunächst einmal müsse für eine dieser Anlagen ein tragfähiges Finanzierungsmodell gefunden werden
Win-Win-Situation angestrebt
Das sehen die Verantwortlichen offenbar auch so. In der Wirtschaftsmetropole Lagos wird zurzeit über Pläne für eine privat-öffentliche Partnerschaft diskutiert, die den Bau einer Raffinerie sichern sollen. Die Regierung des Bundesstaates Lagos will sich um die notwendige Infrastruktur wie Baugrund, neue Straßen und Stromversorgung kümmern.
Acht Milliarden Dollar soll die Anlage in der Freihandelszone Lekki kosten, in der auch Kunstdünger und andere petrochemische Produkte hergestellt werden könnten, sagte der zuständige NNPC-Manager Billy Agha. Damit würden Stellen für 2.000 qualifizierte und 5.000 niedrig qualifizierte Arbeitskräfte entstehen.
Ein Gewerkschaftsvertreter begrüßte die Initiative: "Wir haben immer private Raffinerien gefordert. Die Regierung bewegt sich in die richtige Richtung, indem sie das chinesische Konsortium die Raffinerien bauen und betreiben lässt", sagte Babatunde Ogun, Vorsitzender der Erdölarbeitergewerkschaft PENGASSAN.
Faire Arbeitsbedingungen gefordert
Ogun macht vor allem die Einmischung der verschiedenen nigerianischen Regierungen für die Probleme in der Ölindustrie des Landes verantwortlich. Obwohl Nigeria zu den zehn größten Erdölproduzenten der Welt zählt, muss es 85 Prozent seines Treibstoffes importieren. Laut NNPC belastet dies den Staatshaushalt mit jährlich mit zehn Milliarden Dollar.
Der Gewerkschaftspräsident erklärte, die chinesischen Investoren bereits darauf hingewiesen zu haben, dass "sie faire Löhne zahlen und gute Beziehungen zwischen Management und Arbeitnehmern sicherstellen müssen". Den Chinesen müsse klar sein, dass in Nigeria die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) festgelegten Standards gelten.
Nach Ansicht von Brautigam ist das Abkommen ein typischer durch Ressourcen abgesicherter Infrastruktur-Kredit der Chinesen an ein afrikanisches Land. Das Konsortium bringe den Großteil des Kapitals auf, baue und betreibe die Anlage als Mehrheitseigner. So könne es sicherstellen, dass der Bau vorangehe und im Betrieb relativ gesichert Geld hereinkomme, mit dem der Kredit zurückgezahlt werden könne.
"Solche Geschäfte werden auf dem ganzen Kontinent abgeschlossen", sagte die Expertin. "Das hat nichts mit Menschenfreundlichkeit zu tun, es ist keine Entwicklungshilfe. Es geht hier allein um Profit." (afrika.info/IPS)
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