2008-07-25 Südafrika: Klimawandel bedroht Wirtschaft
Probleme für Tourismus- und Weinregion
Kapstadt. Millionen Besucher kommen jährlich in Südafrikas Provinz Westkap, um den berühmten Tafelberg und die Strände zu genießen und einige der weltbesten Weine zu trinken. Doch Tourismus und Landwirtschaft werden vom Klimawandel bedroht. Experten arbeiten bereits an einer Lösung des Problems.
Die beiden Industriezweige schaffen die meisten Arbeitsplätze in dem Land, das eine geschätzte Arbeitslosenrate zwischen 20 und 40 Prozent hat. Laut dem Statistikinstitut arbeitet ein Viertel aller südafrikanischen Farmarbeiter auf Gütern im Westkap.
Forschern zufolge ist das Wetter in der Region jetzt schon unvorhersehbar geworden. In den vergangenen zehn Jahren wechselten sich Dürre und Überflutungen immer schneller ab. Steigende Temperaturen schaffen dem Obstanbau Probleme. Sorgen bereitet auch der Wassermangel, der das Kap zunehmend treffen könnte.
Ein Farmer in der Region Swartland, Abraham van Santen, bestätigt den Trend, dass es immer mehr Trockenperioden gibt. "In diesem Jahr blühten die Orangenbäume erheblich früher als sonst. Das könnte an dem ungewöhnlich warmen Wetter liegen." In den letzten zehn Jahren hätten diese Warmwetterphasen zugenommen. "Früher wurden sie schnell von kaltem Wetter abgelöst. Jetzt gab es drei oder vier schnell aufeinander folgende Hitzeperioden. Und es regnet weniger in dieser Region."
Suche nach Alternativen
Ein Programm für Afrika zur Anpassung an den Klimawandel, das von Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachrichtungen wie Landwirtschaft und Meteorologie erarbeitet wird, soll Alternativen zur Vorbereitung auf die Zukunft finden. Unterstützt wird es vom kanadischen Forschungszentrum für internationale Entwicklung. Partner sind die Universitäten in Kapstadt und den Provinzen Freistaat und KwaZulu-Natal, das UN-Umweltprogramm UNEP und das in den USA ansässige internationale Forschungsinstitut für Klima und Gesellschaft.
Daan Louw, Professor für Landwirtschaft an der Universität des Freistaats, erklärt das Vorhaben: "Wir schaffen wirtschaftliche Modelle, indem wir die hydrologischen und meteorologischen Informationen unserer Partner nutzen. Damit können wir zum Beispiel vorhersagen, wie der Regen fällt, wie er den Wasserstand der Stauseen beeinflusst und welche Auswirkungen Temperaturwechsel auf die Feldfrüchte haben. Die Anpassungsstrategien sollen dann Kosten, Nutzen und Risiken einbeziehen."
Schon jetzt sind bestimmte Obst- und Gemüsearten von den steigenden Temperaturen betroffen. "Weil es wärmer wird, blühen die Orangenbäume früher", beobachtet Peter Johnston, der an der Universität Kapstadt Klimasysteme untersucht. Für Farmer kann das fatal sein, weil die Blüten anfälliger für Krankheiten oder durch plötzlichen Frost zerstört werden. Johnston zufolge ist der Niederschlag im Westkap in den vergangenen 30 Jahren um zehn bis 20 Prozent zurückgegangen. Dadurch seien die Temperaturen gestiegen.
"Baumfrüchte brauchen kaltes Wetter, um sich zu 'erholen'", sagt Louw. Wenn es nicht kalt genug ist, kann die Ernte schlechter ausfallen. Sich diesen Entwicklungen anzupassen, könnte bedeuten, sich auf andere Früchte zu spezialisieren, die weniger wetterempfindlich sind oder neue zu entwickeln. "Es gibt bereits neue Feigenbaumarten", sagt er. "Die Feigenbäume, die wir heute haben, sehen ganz anders aus als die, die viele Haushalte vor vielen Jahren in ihren Hinterhöfen stehen hatten."
Wasser gerechter verteilen
Teil des Projekts sind auch die Möglichkeiten, mehr Wasser zu sparen. Einige Farmer nutzen bereits Methoden, um optimal mit der wertvollen Ressource umzugehen. "Früher brannten die Bauern die abgeernteten Felder ab, jetzt streuen sie Strohreste auf den Boden zur Mulchbildung. Damit bleibt die Feuchtigkeit in der Erde erhalten. Auch werden Äcker jetzt tendenziell nur minimal statt überkultiviert. Dadurch steigt die Qualität des Bodens, und weniger Dünger wird benötigt", erklärt Louw.
Johnston fügt hinzu: Wenn der Klimawandel das Wasser verknappe, müsse auch über eine andere Aufteilung bei den betroffenen Stakeholdern nachgedacht werden: "Wenn zum Beispiel klar wäre, dass der Industriesektor ein höheres Potenzial hätte, Arbeitsplätze zu schaffen als die Landwirtschaft, sollte darüber entschieden werden, wie Wasser gerechter verteilt werden kann."
Der Klimawandel könnte insbesondere die neuen Farmer schädigen, die im Zuge der südafrikanischen Landreform Grundstücke erhalten. Ziel ist es, mindestens 30 Prozent des Ackerlandes bis 2015 an bisher benachteiligte Gruppen zu vergeben. Bisher hat die Landreform oft versagt, weil es den Neueigentümern an Fachkenntnissen fehlte, um erfolgreich Landwirtschaft zu betreiben. Die südafrikanische Regierung wurde dafür kritisiert, die nötige Unterstützung vorzuenthalten.
Louw ist überzeugt, dass die Forschung auch diesen Farmern helfen kann. Neue Bauern fehle nicht nur das Wissen, sondern auch das Kapital, sagt er. Wenn man sie mit an Bord des Projekts hole und an den Erkenntnissen teilhaben lasse, seien sie jedoch für die Zukunft gewappnet. (afrika.info/IPS)
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