Kamerun: Illegale Landnahme aufgedeckt

Proteste gegen Verurteilung von Umweltaktivist

Von Mbom Sixtus | 20.01.2016

Yaoundé. Bauern und Bürgeraktivisten in Kamerun haben gegen die Verurteilung eines Umweltschützers protestiert, der einem multinationalen Unternehmen widerrechtliche Landnahme vorgeworfen hatte. Das Urteil sende ein gefährliches Signal an alle Gemeinschaften, die ihr Land und ihre Ressourcen schützen wollten, warnten sie.

David gegen Goliath: Video über den Kampf von Nasako Besingi gegen die US-Firma Herakles Farms (Africa Faith & Justice Network, 7. Februar 2014)

Nasako Besingi, Direktor der Organisation 'Struggle to Economize Future Environment' (SEFE) wurde am 3. November von einem Gericht in dem Dorf Mundemba im Südwesten des Landes zu einer Geldstrafe von rund 1.800 US-Dollar oder drei Jahren Haft verurteilt. Außerdem sollte er etwa 18.000 Dollar Schadenersatz an die Zivilkläger zahlen. Seinen Angaben nach hat seine Organisation die Zahlung der Strafe für ihn übernommen.

Die Firma SG-SOC, eine Tochter des in New York ansässigen Unternehmens Herakles Farms, hatte Besingi wegen Diffamierung verklagt, nachdem die Regierung Kameruns der Firma alle Aktivitäten im Land untersagt hatte. Der Aktivist erklärte, er habe Petitionen verfasst, in denen er Managern des Unternehmens vorgeworfen habe, Dorfbewohner belogen zu haben.

Aktivist beschuldigte Firma widerrechtlicher Rodung

Konkret legte er SG-SOC zu Last, ohne vorherige Genehmigung Land gerodet und Baumschulen angelegt zu haben. Zudem berichtete er darüber, dass das multinationale Unternehmen fälschlicherweise behauptet habe, 73.000 Hektar Land für eine Dauer von 99 Jahren für jährlich etwa 50 US-Cent pro Hektar pachten zu dürfen.

"Ich reichte meine Beschwerde im August 2012 ein, und im November des folgenden Jahres unterzeichnete Präsident Paul Biya ein Dekret, das die Aktivitäten der Firma in Kamerun auf eine Fläche von 19.843 Hektar begrenzte. Der jährliche Pachtzins wurde auf sieben Dollar pro Hektar festgelegt." Die Firma rückte daraufhin von ihrem Vorhaben ab.

Besingi, der auch Journalisten von der kamerunischen und der internationalen Presse Auskünfte zu dem Machenschaften des Unternehmens gab, wurde daraufhin in einem Wald angegriffen. Dem Direktor von SG-SOC schrieb der Aktivist, er habe die Angreifer als Arbeiter des Unternehmens identifiziert. Daraufhin sei er der Diffamierung beschuldigt worden, und das Gericht habe schließlich dem multinationalen Unternehmen Recht gegeben.

Mehrere unabhängige Organisationen, von denen einige ebenfalls gegen die illegale Landnahme durch Herakles Farms Front gemacht hatten, kritisierten das Urteil gegen Besingi als unfair. Zu seinen Unterstützern gehören unter anderem die Organisatonen Cultural Survival und Greenpeace.

Samuel Nguiffo, Koordinator des in Yaoundé ansässigen 'Center for Environment and Development' (CED) sieht das Urteil als Versuch, Umweltaktivisten in dem afrikanischen Land einzuschüchtern, während bei Investitionen in Land und natürliche Ressourcen zunehmend Grundstücke von Dorfbewohnern angetastet würden.

Besingi habe lediglich sein demokratisches Recht auf Protest ausgeübt, erklärten die US-amerikanische Waldschützerin Amy Moas und Eric Ini, ein Kampagnenleiter von Greenpeace. Herakles Farms habe beständig darauf hingearbeitet, seine Kritiker mundtot zu machen.

Dorfgemeinschaften sehen sich durch Firma getäuscht

Chief Alexander Ekperi aus dem Dorf Esoki, dessen Bewohner durch die agroindustriellen Projekte von Herakles Farms Nachteile erlitten haben, sagte Besingi ebenfalls Rückhalt zu. In seiner Position sei er ein Mittelsmann zwischen Investoren und Indigenen, sagte Ekperi. Die Menschen am Ort seien dringend auf die Landwirtschaft angewiesen, um nicht zu verarmen.

"Man hat uns weismachen wollen, dass die Entwicklung in unserem Dorf vorangebracht werde", so der Häuptling. "Besingi und andere Aktivisten haben uns aber soweit über das Projekt aufgeklärt, dass wir erkannten, dass die Firma Holz und andere Ressourcen gewinnen und uns Ackerland wegnehmen wollte. Die Menschen hier sollten einfach sich selbst überlassen bleiben. Wir wussten nicht einmal genau, wie viel Land wir auf diese Weise verloren hätten."

"Diese großen Unternehmen haben Geld", sagte Peter Okpo Wa-namolongo, der in einem Dorf im Korup-Nationalpark lebt. "Ich bin sicher, dass auch die Richter von ihnen bezahlt worden sind." Ein anderer Bewohner der Region kritisierte, dass die Regierung nicht ausreichend über die Situation informiert sei. Nur der Hilfe der Umweltschützer habe er zu verdanken, dass er seine sieben Hektar Land nicht verloren habe.

Besingi, der gegen das Urteil Berufung eingelegt hat, erfuhr unterdessen von entlassenen Beschäftigten von Herakles Farms, dass einige Arbeiter im Sommer Abfindungen erhalten hätten. Das Versprechen, weiteren 70 Arbeitern Geld zu zahlen, habe die Firma aber nicht eingehalten. (afr/IPS)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by