Nigeria: "Holt endlich unsere Schulkolleginnen zurück"

Nach drei Jahren werden immer noch 195 Chibok-Mädchen vermisst

Von Busani Bafana | 22.03.2017

Dubai (IPS/afr). In der Nacht vom 14. auf 15. April 2014 entführte die islamistische Terrorgruppe Boko Haram 276 Mädchen der Government Girls Secondary School (GGSS) in Chibok im nordöstlichen Nigeria. Zwei Frauen, denen die Flucht gelang, traten jetzt in Dubai an die Öffentlichkeit.

Varkey FoundationSa'a (links) und Rachel (rechts) berichten über ihre Entführung durch Boko Haram. In der Bildmitte: Vikas Potas, Geschäftsführer der Varkey Foundation. (Bild: Busani Bafana/IPS)  

Obwohl die jungen Frauen noch immer Angst haben, appellieren sie an internationale Entscheidungsträger, ihre Schulkolleginnen nicht im Stich zu lassen. Nach fast drei Jahren ist das Schicksal von 195 Mädchen und jungen Frauen immer noch ungeklärt.

"Wir müssen unsere Geschichte verbreiten und der Welt davon erzählen", sagt die 20-jährige Sa’a, deren Name zum Schutz ihrer Identität geändert wurde. In Dubai wurde Sa’a von Rachel begleitet, deren Vater und Brüder von Boko Haram ermordet worden sind. Auch ihr echter Name wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

"Das Einzige, das wir tun können, ist die Mächtigen zu bitten, endlich unsere Schulkolleginnen zurückzuholen", meint Sa’a. Die junge Frau entkam den Terroristen, indem sie von einem fahrenden Lastwagen sprang. Ein Hirte fand sie und brachte sie in Sicherheit.

Tausende Priester und 600 Lehrer getötet

Der Menschenrechtsanwalt Emmanuel Ogebe ist Direktor der Education Must Continue Intiative (EMCI). Die Initiative unterstützt Kinder, die Opfer von Boko Haram geworden sind.

"Boko Haram hat es vor allem auf Ziele wie Bildungseinrichtungen und religiöse Institutionen abgesehen", erklärt Ogebe. "Tausende Priester und 600 Lehrer sind von Boko Haram ermordet worden."

Ogebe meint weiter, dass es die Entführung der Mädchen auch vor allem deshalb schmerzhaft war, weil es entsprechende Vorwarnungen gegeben hätte. Die Lehrer wären entkommen und hätten ihre Schützlinge im Stich gelassen. Auch hätte die Regierung nichts zum Schutz der Mädchen unternommen.

Seit Anfang des Jahres besucht Sa’a mit Unterstützung des ECMI ein College in den USA. Sie möchte unbedingt Medizin studieren. "Mein Traum ist es, Ärztin zu werden und eines Tages in meine Heimat zurückzukehren", beschreibt sie ihre Motivation. "Ich möchte den Kindern helfen, eine Schule zu besuchen und eine Ausbildung zu erhalten, die sie verdienen."

Barbarischer Terror

Auch der Berufswunsch von Rachel war ursprünglich Ärztin gewesen. Doch nachdem sie miterleben musste, was mit ihrem Vater und ihren drei Brüdern geschah, tendiert sie nun zu einer Karriere beim Militär. "Ich will zu einer besseren Nation beitragen", erklärt sie, "manche Mädchen können nicht zur Schule gehen. Aber ohne Schule gibt es keine Zukunft. Das ist sehr traurig."

Rachels Vater war Polizist, der mit dem Schutz einer Kirche im nordöstlichen Nigeria beauftragt war. Ende 2014 griffen Mitglieder von Boko Haram die Kirche an. Rachels Vater floh zu seinem Haus, um seine Kinder zu schützen. Als er versuchte, mit ihnen gemeinsam zu entkommen, liefen sie geradewegs den Terroristen in die Arme. Rachels Vater und seine drei Söhne wurden auf der Stelle erschossen. Sie waren erst zehn, zwölf und 14 Jahre alt und besuchten die Grundschule bzw. die Sekundarschule.

Sa’a und Rachel waren Gast beim Global Education & Skills Forum, das am 18. und 10. März in Dubai stattfand. Die Veranstaltung wurde von der Varkey Foundation mit Sitz in London organisiert. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass jedes Kind auf der Erde eine angemessene Schulbildung erhält.

Für Vikas Pota, Geschäftsführer der Varkey Foundation, ist es völlig unverständlich, dass der Verbleib von 195 Mädchen immer noch ungeklärt ist: "Ich denke, dass es gerade in der heutigen Zeit mit all unserer menschlichen Intelligenz lächerlich ist, dass wir nicht wissen, wo die Mädchen sind", meint Pota. "Das zeigt doch nur, dass sie uns egal sind. Ich glaube, die Regierungen auf der ganzen Welt sollten sicherstellen, dass die Situation endlich gelöst wird." (Ende)

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