Ruanda: Frauen sorgen in IKT-Branche für Furore

Technologie-Unternehmerinnen auf Nachwuchssuche

Von Aimable Twahirwa | 22.08.2014

Kigali. Akaliza Keza Gara ist gerade einmal 27 Jahre alt und schon Gründerin und Geschäftsführerin des Multimedia-Unternehmens 'Shaking Sun'. Darüber hinaus ist sie eine von vier ruandischen Frauen, die 2012 von der Internationalen Telekommunikations-Union (ITU) für ihre herausragenden Verdienste in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) geehrt wurden.

Akaliza Keza Gara is the founder and managing director of Shaking Sun, a multimedia business specialising in website development, graphic design and computer animation in Rwanda. She is one of the few women in the ICT sector. Credit: Orphelie Thalmas/IPSDie ruandische IKT-Pionieren Akaliza Keza Gara, Gründerin und Geschäftsführerin für 'Shaking Sun' (Bild: Orphelie Thalmas/IPS).

Seit diesem Jahr sitzt sie im vierköpfigen '4Africa'-Beirat von 'Microsoft'. Als ihren größten Erfolg sieht Gara allerdings die Mitarbeit an den 'African Tales', der ersten in ihrem Heimatland produzierten Animationsserie.

Die Absolventin eines Studiengangs in Multimedia-Technologie ist der Meinung, dass Frauen an der Entwicklung der Informationstechnologie beteiligt sein sollten. Schließlich seien sie ja auch deren Konsumentinnen. Nur so könne sichergestellt sein, dass mehr Produkte hergestellt werden, die beide Geschlechter ansprechen, meint sie. Wie viele Ruanderinnen im IKT-Sektor tätig sind, ist nicht bekannt.

Das Modell für die zweite Phase der ökonomischen Entwicklung des Landes sieht vor, dass sich Ruanda von einem Agrarstaat zu einer wissensbasierten Volkswirtschaft entwickelt, um bis 2020 den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen zu erlangen. Ein 2012 veröffentlichter Bericht der UN-Breitbandkommission für digitale Entwicklung hebt hervor, dass Ruanda Glasfaserkabel auf einer Länge von 2.500 Kilometern verlegen ließ, um allen Bürgern einen Breitband-Internetanschluss zu ermöglichen.

Auf der Skala der Länder, die die Breitbandtechnologie der Allgemeinheit zugänglich machen wollen, nimmt Ruanda in Afrika den siebten Platz ein. Im weltweiten Vergleich steht es an 80. Stelle. Seit 2001 setzt Ruanda nationale IKT-Aktionspläne um. Doch erst kürzlich hat die Beteiligung von Frauen an dieser Entwicklung größere Aufmerksamkeit gefunden.

Akaliza Keza Gara gehört einer Gruppe junger Unternehmerinnen an, die die Initiative 'Girls in ICT Ruanda' vorantreiben. Seit dem vergangenen Jahr werden Frauen und Mädchen ermutigt, sich mit der Materie zu beschäftigen. Ihnen werden Beihilfen gewährt, mit denen sie ihre eigenen IKT-Projekte umsetzen und vermarkten können. Die Zuteilung der Zuschüsse bemisst sich daran, wie innovativ ein Vorhaben ist.

Nachhaltiges Wachstum in IKT-Branche möglich

Goldon Kalema aus der Abteilung für E-Government des ruandischen Jugend- und IKT-Ministeriums zielt die Initiative darauf ab, die Entwicklung und Anwendung der Informations- und Kommunikationstechnologien voranzubringen.

2012 wurde ein Wissens- und Technologie-Laboratorium – auch 'Klab' genannt – in dem ersten IKT-Innovationszentrum des Landes eingerichtet. Pioniere der Branche sollen dort zusammenkommen und neue Ideen entwickeln.

Junge Frauen scheinen aber nach wie vor den Technologiesektor zu meiden. "Wenn Frauen Teil des Marktes für IKT-Produkte werden, sollten sie, aus der Perspektive sowohl des Entwicklers als auch des Endnutzers betrachtet, die gleichen Chancen wie Männer nutzen können", meint Gara. 'Girls in ICT Ruanda' organisiert auch Veranstaltungen, auf denen Studentinnen ihre ICT-Kenntnisse unter Beweis stellen und Vorbilder treffen können.

Inzwischen gibt es viele Kurse speziell für Frauen, die kostenlos besucht werden können. "Diese Ausbildung ist sehr hilfreich für die Aneignung neuer Kenntnisse, die Zugang zu interessanten neuen Jobs schaffen können", sagt Gara.

Mobile App für Viehzüchter entwickelt

Die Agrartechnologie-Studentin Nancy Sibo hat kürzlich den Wettbewerb 'Ms. Geek Rwanda' gewonnen, der in diesem Jahr erstmals von 'Girls in ICT Rwanda' ausgerichtet worden ist. Er steht allen Studentinnen offen, die eigene technologische Innovationen vorstellen wollen. Sibo hat eine mobile App entwickelt, die es Bauern ermöglicht, in ihrer Nähe Veterinäre zu finden, die ihre Tiere auch künstlich befruchten können.

Gara beschäftigt sich indes weiter mit Animationsfilmen. Sie will ein eigenes Animationsstudio einrichten, um Filme zu produzieren, die sich an afrikanische Kinder richten. "Ich will mehr Mädchen und Frauen dazu ermutigen, im IKT-Bereich tätig zu werden. Mit meinen Innovationen möchte ich aber auch ruandischen Kindern helfen und sie durch meine Filme inspirieren." (afr/IPS)

 

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