Uganda: Schattenbäume schützen Kaffeebohnen

Produzenten nehmen Herausforderungen des Klimawandels an

Von Sally Nyakanyanga | 11.01.2017

Kampala (IPS/afr). Die Kaffeeindustrie beschäftigt in Uganda ca. 1,7 Millionen Kleinbauern und zeichnet für ein Viertel der Deviseneinnahmen verantwortlich. Allerdings werden die Ernteerträge durch den Klimawandel bedroht. Die Bepflanzung mit schützenden Schattenbäumen soll Abhilfe schaffen.

Nach Äthiopien ist Uganda der zweitgrößte Kaffeeproduzent in Afrika. (Bild: Coffee von Gordontour auf Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Uganda ist nach Äthiopien der zweitgrößte Erzeuger von Rohkaffee in Afrika, aber führend bei Robusta-Bohnen: Sieben Prozent der weltweiten Robusta-Produktion kommen aus dem ostafrikanischen Staat. In den letzten Jahren hat die Kaffeeproduktion in Uganda aber durch den Klimawandel erhebliche Rückschläge hinnehmen müssen - auf lang anhaltende Dürren folgten enorme Niederschlagsmengen.

Viele Bauernfamilien sind angesichts der Wetterkapriolen besorgt. "Ich habe dank dem Kaffeeanbau meine Familie ernähren und die Kinder zur Schule schicken können", erzählt Mjuabi Yusuf aus dem Bezirk Nakaseke in Zentraluganda, "aber das Klima hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch der Kaffeebauer Kironde Mayanja: "Die Jahreszeiten haben sich verändert und sind unberechenbar geworden. Manchmal kommt zwar Regen, aber zumeist nur für einen sehr kurzen Zeitraum. Dadurch welken die Blätter und sterben schließlich ganz ab."

Praktikable Lösungen gegen den Klimawandel

Das Internationale Institut für tropische Landwirtschaft (IITA) ist eine der weltweit führenden Forschungseinrichtungen im Agrarsektor. Die Kernkompetenz der Organisation liegt in der Entwicklung einfacher aber effizienter Lösungen gegen zentrale Herausforderungen wie Hunger, Unterernährung und Armut.

Eine dieser Lösungen ist die Bepflanzung von Kaffeeanbaugebieten mit Schattenbäumen. Diese schützen die Kaffeepflanzen vor zu starker Sonneneinstrahlung. Entscheidend dabei ist die Auswahl der richtigen Bäume, die von unterschiedlichen Umweltfaktoren abhängig ist.

Die IITA sorgt für die wissenschaftlichen Grundlagen, bei der Umsetzung wird mit Partnern aus unterschiedlichen Sektoren kooperiert. "Unsere Forschung dient sowohl Nichtregierungsorganisationen als auch Unternehmen", erklärt IITA-Sprecherin Elizabeth Kemigisha, "wir arbeiten aber auch eng mit Regierungen zusammen, wie in Uganda mit der National Agricultural Research Organisation."

Unterstützung aus der Wirtschaft

Einer der IITA-Partner ist die Hanns R. Neumann Stiftung (HRNS) mit Sitz in Hamburg. Die Stiftung wurde von Michael R. Neumann und seiner Familie gegründet. Michael R. Neumann war bis zum Jahr 2004 Sprecher der Geschäftsführung der Neumann Kaffee Gruppe - dem weltweit führenden Rohkaffeedienstleister. Die HRNS wurde 2005 ins Leben gerufen und setzt sich für mehr Nachhaltigkeit in der Kaffeewirtschaft ein.

In Uganda arbeiten IITA und HRNS daran, das lokale Wissen über notwendige Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel im Kaffeeanbau zu verbessern. "Die Forschung hat dazu beigetragen, die Widerstandskraft von Bauern gegen die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu erhöhen", sagt David Senyonjo von der HRNS.

Die Kaffee-Farmerin Cathrine Ojara ist ein Paradebeispiel für den gelungenen Know-how-Transfer. "Das Wissen, das ich erhalte habe, hat mein Leben verändert", erzählt sie, "ich habe meine Landwirtschaft mit Mischkulturen und durch die Bepflanzung von Schattenbäumen an das Klima angepasst."

Auch Kironde Mayanja hat mit der Unterstützung von HRNS die Anbaumethoden verbessert und dadurch die Rendite seiner drei Hektar großen Landwirtschaft um bis zu 50 Prozent erhöhen können. "Die Ausbildung hat aus mir einen Experten für den Klimawandel gemacht", meint Mayanja. "Ich habe gelernt, wie wir unsere Kulturen verbessern können. So verwende ich Mulch und Düngemittel, pflanze und pflege Schattenbäume und habe Gräben für die Bewässerung errichtet."

Frauen im Nachteil

David Senyonjo von der HRNS merkt aber an, dass Frauen bei der Umstellung vor größere Hindernisse gestellt werden als Männer. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass nur 16 Prozent der Ackerfläche in weiblichem Besitz stehen. Dadurch bleiben Frauen oftmals die für Anpassungsmaßnahmen benötigten Kredite verwehrt.

"Wir haben kein eigenes Land", bemängelt auch Cathrine Ojara, "zusätzlich halten uns die häuslichen Pflichten davon ab, Schulungen über den Klimawandel zu besuchen."

Einen Ausweg könnte hier das von der IITA entwickelte Shade Tree Advice Tool bieten. Auf Basis unterschiedlicher Auswahlfaktoren - wie z. B. Höhenlage des Terrains, Bodenfeuchtigkeit oder Temperatur - empfiehlt das Online-Werkzeug die zur Beschattung jeweils am besten geeigneten Bäume. (Ende)

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