Afrika: Die Waffen nieder!

Kampagne "Silencing the Guns by 2020" vor enormen Herausforderungen

Von Zipporah Musau, Africa Renewal* | 07.01.2020

New York (AR/afr). Die Kampagne "Silencing the Guns by 2020" der Afrikanischen Union (AU) will die Konflikte auf dem Kontinent beenden und dauerhaften Frieden ermöglichen. Das Vorhaben kommt einer Mammutaufgabe gleich: Pro Jahr verliert eine halbe Million Menschen auf dem Kontinent durch Waffengewalt das Leben.

Bewaffneter Soldat in Äthiopien (Bild: Shutterstock.com)

Die Wurzeln von "Silencing the Guns by 2020" liegen im Jahr 2013. Damals versammelten sich Vertreter der AU-Mitgliedsstaaten, um das 50-jährige Bestehen der Organisation zu feiern. Anlässlich der Zeremonie in Addis Abeba setzten sich die Staats- und Regierungschefs zusammen, um über die größten Herausforderungen in Afrika zu beraten.

Die meisten waren sich einig darüber, dass die bewaffneten Konflikte eines der größten Hindernisse für die die erfolgreiche Umsetzung des AU-Entwicklungsplans Agenda 2063 darstellt. "Bevor die AU-Vertreter Addis Abeba verließen, beschlossen sie, die Last von Konflikten nicht auf zukünftige Generationen zu übertragen", erzählt Aïssatou Hayatou, Koordinatorin der Kampagne.

Hayatou bezeichnet "Silencing the Guns by 2020" als eines der Vorzeigeprojekte der Agenda 2063. Ziel der Kampagne sei es, den Kontinent von Kriegen, gewaltsamen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen und humanitären Katastrophen zu befreien. Dazu sollen auf dem Kontinent all jene Herausforderungen adressiert werden, die zu Waffengewalt führen: Arbeitslosigkeit, Armut, Klimawandel, illegale Kapitalflüsse, Korruption und Ungerechtigkeit sollen der Kampf angesagt werden.

Licht und Schatten

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden Konflikte an Brennpunkten wie Angola, Côte d'Ivoire, Liberia und Sierra Leone beendet. Laut dem in Addis Abeba ansässigen "Institute for Security Studies"  (ISS) wurden selbst in schwierigen Ländern wie Somalia und Sudan erhebliche Fortschritte erzielt.

Doch gab es auch Rückschläge: In Libyen, im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, im Osten der Demokratischen Republik Kongo und im Tschadbecken sind Kämpfe nach wie vor zu beobachten. Auch der gewaltsame Extremismus in der Sahelzone, am Horn von Afrika sowie in Teilen von Ostafrika ist eine Herausforderung.

Dazu kommen Bedrohungen durch Terrorismus und grenzüberschreitende Kriminalität. Dazu zählen Konflikte zwischen Hirten und Bauern um Wasser und Weideflächen, Gewaltverbrechen in der Stadt und Viehdiebstahl geben ebenfalls Anlass zur Sorge: Immer häufiger kommen dabei tödliche Schusswaffen zum Einsatz, während traditionelle Waffen wie Speere oder Pfeilbögen stark am Rückzug sind.

Tödliche Kleinwaffen

Laut der Oxfam-Studie "The Human Cost of Uncontrolled Arms in Africa" (2017) sterben auf dem Kontinent jedes Jahr mindestens 500.000 Menschen infolge bewaffneter Gewalt und Konflikte, Millionen werden missbraucht oder vertrieben.

"Gewehre sind die beliebteste Waffe auf dem Kontinent. Sie verursachen mehr Todesfälle als Bomben, Granaten oder Minen. Die AK-47 ist nach wie vor das gefährlichste Tötungsinstrument in Afrika", sagt Hayatou. Sie ergänzt, dass ein beträchtlicher Teil der legal importierten Waffen durch Korruption in die falschen Hände gelangt sind.

Oft werden die Waffenbestände von Regierungen geplündert und Militärs oder Polizisten für ihre Waffen getötet. Besorgniserregend ist auch die beträchtliche Zahl von Waffen aus Libyen, die zuvor dem Regime von Muammar Gaddafi gehörten und jetzt in der Sahelzone gelandet sind. Viele dieser Kleinwaffen befinden sich in den Händen von separatistischen Rebellen im Nordmali.

Der "Weapons Compass" (2019)  des Genfer Forschungszentrums "Small Arms Survey" (SAS) und der AU kam zum Ergebnis, dass sich 80 Prozent aller Kleinwaffen im Besitz von Zivilisten einschließlich Rebellengruppen und Milizen befinden. Diese Gruppe besitzt mehr als 40 Millionen Kleinwaffen und leichte Waffen, während staatliche Einrichtungen nur über elf Millionen Kleinwaffen verfügen.

Hauptabnehmer in Nordafrika

Die meisten Waffen in Afrika werden importiert. Die offiziellen Militärausgaben des Kontinents beliefen sich nach ISS-Angaben im Jahr 2018 auf rund 40,2 Milliarden US-Dollar, wobei Nordafrika 22,2 Milliarden US-Dollar und Subsahara-Afrika 18,8 Milliarden US-Dollar ausgab.

Die wichtigsten Waffenlieferanten für Afrika zwischen 2014 und 2018 waren laut "Stockholm Peace Research Institute" (SIPRI) Russland, China, die Ukraine, Deutschland und Frankreich. Die größten Abnehmer waren Ägypten, Algerien und Marokko.

Die “SIPRI Arms Transfers Database” bietet Informationen zu allen Lieferungen wichtiger Waffengattungen an Staaten, internationale Organisationen und nichtstaatliche Gruppierungen.

22 afrikanische Länder stellen auch verschiedene Arten von Kleinwaffen und leichten Waffen selbst her. Die Produktion auf dem Kontinent ist weit verbreitet. Berichten zufolge heizen diese Waffen in einigen Ländern die Kriminalität an.

Während afrikanische Länder den Kauf legaler Waffen kontrollieren können, ist es schwierig, den illegalen Handel auf dem Kontinent zu verfolgen. Durchlässige Grenzen und lange Küsten machen es relativ einfach, Kleinwaffen zwischen Ländern zu schmuggeln. Auch gibt es Bedenken, wie gut die nationalen Rüstungsbestände verwaltet und vor dem Zugriff unberechtigter Personen geschützt werden. (Ende)

*Die Autorin ist Chefredakteurin bei unserem Partnermagazin "Africa Renewal" der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe Dezember 2019 - März 2020 (*.pdf) erschienen.

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