Mosambik: Viel Land für ausländische Investoren

Bauernverbände schlagen Alarm

Von William Mapote | 05.03.2013

Maputo. Bauernverbände in Mosambik haben der Regierung vorgeworfen, den Ausverkauf des Landes an ausländische Agrarinvestoren zu betreiben. Dabei seien die Investoren vor allem an bereits landwirtschaftlich genutzten Böden interessiert. Tausenden lokalen Gemeinschaften und Kleinbauern, die über keine offiziellen Landtitel verfügen, droht die Vertreibung.

"Wir von der Nationalen Bauernvereinigung (UNAC) fürchten, dass Mosambikanern innerhalb kürzester Zeit das Land ausgehen wird, weil die Regierung ausländischen Konzernen den Zugang zu riesigen und angeblich ungenutzten Agrarflächen verspricht", sagt der UNAC-Sprecher João Palate gegenüber IPS.

Nach Angaben des Zentrums für Investitionsförderung verfügt Mosambik über rund 19 Millionen Hektar Land, das für land- und forstwirtschaftliche Zwecke geeignet ist. Bewirtschaftet würden derzeit gerade einmal 5,6 Millionen Hektar Land. "Die Investoren interessieren sich aber vor allem für die Böden, die bereits von den Kleinbauern beackert werden", warnt Palate.

Etwa 64 Prozent der mosambikanischen Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten. Die Landwirtschaft ist die Haupterwerbsquelle der Menschen, von denen 45 Prozent nach Angaben der Menschenrechtsorganisation 'FIAN International' mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen müssen.

Mehr als zehn Agrarentwicklungsprojekte in zwei Jahren

In den letzten zwei Jahren hat die mosambikanische Regierung mehr als zehn ausländischen Agrarentwicklungsprojekten ihre Zustimmung gegeben. Der größte Deal ist 'ProSavana', das die monokulturelle Bewirtschaftung von mehr als zehn Millionen Hektar Land vorsieht. Nutznießer sind brasilianische und japanische Investoren.

"Wir haben Fälle wie in der Provinz Niassa, wo vier ganze Bezirke an 'Chikweti Forests' verpachtet wurden. Tausende Kleinbauern, die hier seit Generationen lebten, wurden vertrieben ", berichtet Palate. Chikweti Forests ist ein Ableger des 'Global Solidarity Forest Fund' mit Sitz in Schweden, das auf 13.000 Hektar Land drei Plantagen hochgezogen hat.

Die mosambikanische Verfassung sieht vor, dass alles Land dem Staat gehört und nicht veräußert werden darf. Wohl aber kann es von Einzelpersonen und Gruppen bewirtschaftet werden. Nach geltendem Recht können interessierte Personen bei der zuständigen Provinzregierung einen Antrag auf die Nutzung von maximal 1.000 Hektar Land beantragen. Für Anfragen zu einer Nutzungsfläche von mehr als 10.000 Hektar ist das Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei zuständig. Darüber hinaus kann Land lokalen Gemeinschaften überlassen werden, die dort seit mehr als fünf Jahren ansässig sind.

Dem Bauernsprecher Palate zufolge ist Landbesitz eine Frage der Souveränität. So sollten einheimische Bauern die Nahrungsmittelproduktion dominieren und mit den erforderlichen Anbaupraktiken vertraut gemacht werden. Dass ProSavana Soja für den Export anbauen wird, "trägt nicht zur Lösung unserer Nahrungsmittelprobleme bei", sagt er.

Das ProSavana-Projekt wird im Nacala-Entwicklungskorridor umgesetzt – zwischen den Provinzen Nampula, Zambézia und Niassa im Norden Mosambiks. Das dafür ausgewiesene Land wird aber gleichzeitig von tausenden Kleinbauern bewirtschaftet, denen die Vertreibung bevorsteht.

Versprechen gebrochen

Delfina Sidónio musste das Erbe ihrer Eltern, eine fünf Hektar große Farm, in Ruace in der Provinz Zambézia im letzten Jahr aufgeben, weil ihr Land Teil der 10.000 Hektar großen Fläche war, die die Regierung dem portugiesischen Agrarunternehmen 'Quifel' in Aussicht gestellt hatte. Der Konzern will dort Soja und Sonnenblumen für die Biotreibstoffproduktion anpflanzen.

Die dreifache Mutter hat inzwischen aufgehört, den Zusicherungen des Unternehmens Glauben zu schenken. "Ich sollte neues Land und eine Abfindung in Höhe von 680 Dollar erhalten", berichtet sie. "Doch bisher wurde mir erst ein Viertel der zugesagten Summe ausgezahlt. Und von dem neuen Grundstück ist nicht mehr die Rede." Sidónio ist eine von mehr als 200 Kleinbauern, die durch den Deal ihr Land verloren.

"Nichts als Lügen"

"Das Land war unser Leben, es hat uns ernährt", meint Ernesto Elias, der Leiter des Kleinbauernverbands in Ruace. "Am Anfang hatte uns der Konzern neues Agrarland versprochen. Wir sollten Hilfe bei der Infrastruktur und Wasserversorgung erhalten und entschädigt werden. Doch wenige Monate später haben sich die Versprechen als Lügen herausgestellt."

Ein Quifel-Sprecher in Gurue in Zambézia weist die Anschuldigungen zurück. "Wir sind dabei, unseren gegenüber den Gemeinschaften eingegangenen Verpflichtungen bis spätestens Juni nachzukommen", versichert er. "Dann wird niemand mehr den Vorwurf des Land Grabbing in Ruace erheben, vielmehr wird dann von einer nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und den Investoren zur Entwicklung des Agrarsektors die Rede sein."

Wie Mahomed Valá, Beamter im Agrarministerium, gegenüber IPS berichtet, weiß die Regierung um die Beschwerden der Menschen in Ruace. Doch in diesem Stadium könne sie nichts anderes tun, als die beiden Konfliktparteien anzuhalten, in den Dialog zu treten. "In dem Streit geht es vordergründig um unerfüllte Versprechen", räumt er ein. "Das Unternehmen hat den Menschen Land für die Wiederansiedlung, Saatgut und Infrastrukturen in Aussicht gestellt, seine Versprechen aber bisher nicht eingehalten." (afr/IPS)

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