Südafrika: Regierung wirbt für Genmais

Nutzen von biotechnologischer Landwirtschaft weiter umstritten

Von Busani Bafana | 03.02.2014

Masopane. Die südafrikanische Regierung hat im Jänner eine neue bioökonomische Wirtschaftsstrategie bekannt gegeben, die Ernährungssicherheit, eine bessere Gesundheitsversorgung, Arbeitsplätze und Umweltschutz gewährleisten soll. Geplant sind Programme, die u. a. die Vorteile genmanipulierter Organismen (GMOs) aufzeigen sollen.

Die Bäuerin Sophie Mabhena, die eine kleine Farm in den Masopane-Bergen in 40 Kilometer Entfernung von der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria betreibt, muss nicht erst überzeugt werden. Sie hat bereits auf einem Teil ihres 385 Hektar großen Agrarlands Genmais ausgebracht und hofft nun auf satte Erträge. "Davon träume ich", sagt sie. "Und ich leiste einen Beitrag zur südafrikanischen Ernährungssicherheit."

Wie die 35-Jährige unterstreicht, hat der Anbau von Genmais ihre Ausgaben für Pestizide erheblich verringert. Pro Saison bedeute dies eine Kosteneinsparung von 218 US-Dollar. Auch sei der Arbeitsaufwand geringer. Sie verspricht sich in dieser Saison pro Hektar Land Erträge von sieben Tonnen Mais.

In Südafrika wird seit 15 Jahren sogenannter Bt-Mais ausgebracht, der das gegen Schädlinge wirkende Bodenbakterium "Bacillus thuringiensis" (Bt) enthält. Doch die GMOs sind auch am Kap umstritten. Das Afrikanische Zentrum für Biosicherheit (ACB) beispielsweise gehört zu den Organisationen, die die Speerspitze der Gegnerschaft bilden.

Ganzheitliche Betrachtung gefordert

"Wir müssen einen Schritt zurücktreten, unser Nahrungssystem ganzheitlich betrachten und dann entscheiden, was machbar und ökologisch sinnvoll ist und was uns zudem mit hochwertigen Nahrungsmitteln versorgt", meint die ACB-Öffentlichkeitsreferentin und Wissenschaftlerin Haidee Swanby. Die biotechnologische Landwirtschaft gehe von einem großflächigen Anbau aus, erläutert die Expertin. Sie führe zu einer Konzentration von Macht, Geld und Land in den Händen einiger weniger. Von Ernährungssicherheit könne somit nicht die Rede sein.

Dass man die Forschungsergebnisse von Professor Gilles Éric Séralini von der französischen Universität von Caen über Gen-Mais einfach vom Tisch gefegt und sich auf der Grundlage fragwürdiger Erkenntnisse hinter die GMOs gestellt habe, hält sie für skandalös. Die 2012 von Séralini und seinem Forschungsteam vorgelegte Studie bringt Genmais mit Krebserkrankungen in Verbindung. Doch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit war der Meinung, dass bei der Studie wissenschaftliche Standards nicht eingehalten wurden.

"Es kommt selten vor, dass wir Zugang zu Informationen über die Zahl untersuchter Tiere, über den Zeitraum der Untersuchungen und das verwendete Viehfutter bekommen und Einblick in eine umfassende Analyse erhalten", so Swanby. "Wie kommt es, dass die Forschungsergebnisse von Monsanto nicht einer gleich strengen Überprüfung unterzogen wurden?"

Das ACB hat kürzlich einen eigenen Bericht mit dem Titel 'Africa Bullied to Grow Defective Bt Maize: The Failure of Monsanto’s MON810 Maize in South Africa' ('Wie Afrika genötigt wird, defekten Bt-Mais anzupflanzen: Das Versagen von Monsantos MON810-Mais in Afrika') herausgegeben. Darin schildern die Wissenschaftler, wie der Bt-Mais des Technologieunternehmens in Südafrika versagt hat. So hätten Insekten 15 Jahre nach Einführung des Genmais in die kommerzielle Landwirtschaft eine starke Resistenz entwickelt. "Inzwischen gehen 24 Prozent aller Südafrikaner hungrig zu Bett", meint Swanby. "Doch die Biotechnologieindustrie argumentiert immer noch mit dem Ertragsreichtum ihres Saatguts. Das Argument ist unzulänglich und irreführend."

Neue Herausforderung: Stapelgene

Das ACB weist auch auf die Gefahren durch sogenannte Stapelgene hin. Das sind gentechnisch veränderte Maispflanzen, die infolge einer konventionellen Kreuzung transgener Linien gleich mehrere Genkonstrukte enthalten. Ihre Auswirkungen seien noch nicht hinlänglich wissenschaftlich erforscht. Das Zentrum kritisiert ferner, dass die Bt-Technologie in Südafrika lange vor der Regulierungsfähigkeit der lokalen Behörden eingeführt worden sei.

Nompumelelo Obokoh, Geschäftsführerin des Biotechnologieverbands 'AfricaBio' mit Sitz in Pretoria, hält die Einwände gegen den Genmais für obsolet. "Bauern sind Geschäftsleute. Wenn der Mais nicht profitabel ist, warum dominiert er 90 Prozent unseres kommerziellen Anbaus? Würde sich das Geschäft mit dem Gen-Mais nicht rentieren, wären die Bauern längst zu den alten Maisvarietäten zurückkehrt."

2011 haben Südafrikas Kleinbauern und kommerzielle Farmer Genmais auf einer Gesamtfläche von 2,3 Millionen Hektar ausgebracht. Im Jahr darauf waren es 2,9 Millionen Hektar. "Ernährungssicherheit ist ein Grundrecht, und die Biotechnologie bietet nur eine von mehreren Lösungsmöglichkeiten", so Obokoh. "Auch wenn in Südafrika die Ernährung weitgehend gesichert ist, bestehen auf Haushaltsebene aufgrund der hohen Nahrungsmittelkosten und niedrigen Einkommen Ernährungsdefizite. Hier kann die Biotechnologie ergänzend wirken, ohne mit dem konventionellen Anbau zu konkurrieren."

In einer E-Mail kritisiert der Geschäftsführer des Instituts für verantwortungsvolle Technologie, Jeffrey Smith, dass Gelder für die Erforschung alternativer Technologien fehlten, weil lieber in die Entwicklung teurer GMOs investiert werde. "Die Befürworter der GMOs haben den Mythos geschaffen, das Genpflanzen den Hunger bekämpfen", so Smith weiter. "Dabei haben internationale Berichte der letzten 15 Jahre längst bewiesen, dass Wirtschaft und Verteilung eine viel bedeutendere Rolle spielen, um das Problem des Hungers zu lösen." Doch im November forderten die afrikanischen Wissenschaftsakademien die Regierungen des Kontinents auf, intensiv in die Biotechnologie zu investieren, um Hunger, Unterernährung und Unterentwicklung zu bekämpfen. (afr/IPS)

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