Tunesien: Touristen kehren zurück

Verstärkte Polizeipräsenz soll für Sicherheit sorgen

Von Louise Sherwood | 20.09.2013

Tunis. Die tunesische Revolution, die Anfang 2011 zum Sturz des damaligen Diktators Ben Ali führte, hat den Bürgern zwar größere Freiheiten beschert, doch zunächst viele Besucher abgeschreckt. Inzwischen kehren die Touristen wieder zurück, und die lokalen Fremdenverkehrsunternehmen sind fest entschlossen, sie nicht zu enttäuschen.

Tunesiens Tourismusminister Jamel Gamra ist zuversichtlich, dass sich der Industriezweig wieder erholen wird. "Die Branche ist für unsere Wirtschaft von großer Bedeutung", sagte er im IPS-Gespräch. Der Sektor habe 400.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen. Und ein Fünftel der Bevölkerung, also ca. zwei Millionen Menschen, lebten direkt oder indirekt vom Tourismus.

"Bis spätestens 2016 wollen wir jährlich zehn Millionen Gäste anziehen", meint Gamra. Das würde einem jährlichen Plus von einer Million Touristen entsprechen. Die Demokratisierung des Landes und größeren politischen Freiheiten hätten sich positiv auf den Industriezweig ausgewirkt.

Auch Thomson, ein führendes britisches Reiseunternehmen in Tunesien, ist guter Dinge. "Wir konnten unsere Kapazitäten innerhalb unserer Feriendestination 'First Choice' im Sommer 2013 ausbauen", bestätigt ein Sprecher. "Wir haben das exklusive neue 'Thomson Couples Sousse-Hotel' sowie das Feriendominizil El Ksar und das Thalasso Sousse-Hotel in unser Programm aufgenommen."

Auf Erholungskurs

Hichem Borgi, der Geschäftsführer der Ferienanlagen El Ksar und Thalasso Sousse, ist ebenso zuversichtlich, dass die Touristen zurückkommen. Allerdings sorgt er sich um die politische Stabilität im Lande. "In diesem Jahr wird die Zahl der Besucher wieder auf ein vorrevolutionäres Rekordhoch klettern. Doch die Lage bleibt prekär, solange die Gefahr von gewaltsamen Übergriffen nicht gebannt ist. Vorfälle wie der Anschlag auf die US-Botschaft im letzten Jahr und die politischen Morde in diesem Jahr wirken sich sofort negativ auf die Buchungen aus."

Atef Bouhlel hatte einst zwei Spa-Behandlungszentren in zwei Hotels in Sousse betrieben. Doch 2012 sah er sich zum Ausstieg aus dem Geschäft gezwungen. Seither verdient er sein Geld mit Maurer- und Stuckarbeiten. "Als die Revolution ausbrach, stürzten die Besucherzahlen in einem der beiden Hotels von 900 auf 300 bis 400 Gäste ab. Ich konnte die Miete für das Spa nicht mehr bezahlen", berichtet er.

Doch auch er hält den Tourismus für die wirtschaftliche Lebensader des nordafrikanischen Landes. "Libyen verdient viel Geld mit Öl. Wir haben kein Öl. Deshalb sind wir auf den Tourismus angewiesen", sagt er und weist darauf hin, dass der Fremdenverkehr vielen Sektoren im Lande hilft. "Wir haben die Unternehmen, die die Hotels mit ihren Erzeugnissen beliefern, die Bus- und Taxiunternehmen, die die Touristen von einem Ort zum nächsten bringen und die Studenten, die im Sommer als Kellner arbeiten."

Jüngste Zahlen, die Tunesiens Nationales Tourismusunternehmen vorgelegt hat, bestätigen die Erholung des Fremdenverkehrs. Der Industriezweig hatte 2010 3,5 Milliarden Dinar (2,1 Milliarden Dollar) eingebracht. Doch im Revolutionsjahr 2011 sank die Zahl der Besucher um 30 Prozent auf fünf Millionen ab. Die Daten zeigen jedoch, dass bis Mitte August 2013 fast vier Millionen Touristen Urlaub in Tunesien gemacht und fast 1,9 Milliarden Dinar (1,1 Milliarden Dollar) ausgegeben haben.

Sicherheit hat höchste Priorität

In diesem Jahr wurde mehr Polizei in den Ferienorten abgestellt. Damit sollten negative Erfahrungen, wie sie Ägypten gemacht hatte, von vorn herein verhindert werden. "Dort haben Reiseunternehmen Flüge bis einschließlich Oktober storniert. Den Kunden werden alternative Reiseziele angeboten", berichtet Snene Mohamed Anas von 'Tunisie Voyages'. Die Agentur bietet Rundreisen für Gäste des internationalen Unternehmens TUI an.

Wie Anas betont, genießt die Sicherheit der Touristen in seinem Unternehmen höchste Priorität. "Wir sind ständig mit den Behörden in Kontakt", berichtet er. "Kommt es irgendwo zu Protesten, sind unsere Gäste vorgewarnt. Auch schicken wir vor unseren Sahara-Exkursionen Spähfahrzeuge aus."

Inzwischen werden innerhalb der Branche Forderungen laut, mehr dafür zu tun, um die Touristen aus den Ferienresorts zu locken. "Die Behörden tun nicht genug", meint Ghazi Ben Rejeb, ein Kellner in einen der Cafés im beliebten Ferienort Al Khantaoui. "Wir müssen den Touristen viel mehr bieten."

Offenbar werden die Forderungen bereits zur Kenntnis genommen. "Wir müssen die kulturellen Stätten entwickeln und zugänglich machen", meint Tourismusminister Gamra. Ferner sei geplant, touristische Angebote mit Hilfe der neuen Medien direkt anzubieten. Außerdem sollen mehr Touristen aus Asien, Afrika und den Golfstaaten angelockt werden. (afr/IPS)

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